Veröffentlicht am: 04.08.2026
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Thomas Weinert
ist Pastoralreferent. Zehn Jahre gehörte er als Stadtreferent der katholischen Kirche in Wiesbaden zum Vorstand der TelefonSeelsorge Mainz-Wiesbaden, davon sechs Jahre als Vorsitzender.
Wenn ich an die Telefonseelsorge (TS) denke, dann kommt mir folgendes Bild …
Ganz zu Anfang meiner Arbeit wurde auf einer Konferenz ein Film gezeigt, in dem eine ehrenamtliche Telefonseelsorgerin von einem Gespräch mit einem Mann berichtet, der suizidale Absichten hatte. Sie erzählt, was der Mann sagte, was sie geantwortet hat, wie sie auf ihn eingegangen ist und wie sie ihn von seinem Vorhaben abbringen konnte. Diese Ehrenamtliche und wie sie das Gespräch führte, hat mich sehr beeindruckt und mein Bild von der TS nachhaltig geprägt.
Wie war Ihre erste Begegnung mit der TS?
Ich habe mich mit Christopher Linden, einem langjährigen Hauptamtlichen der TelefonSeelsorge Mainz-Wiesbaden, in der Beratungsstelle der TS in der Emser Straße in Wiesbaden getroffen. Er hat mir die Arbeit der TS sehr eindrücklich nahegebracht.
Was waren die bleibenden großen Themen und Herausforderungen?
Das Herz der Telefonseelsorge ist natürlich die Seelsorge, also die Gespräche, die die Ehrenamtlichen am Telefon führen. Mehr als 80 Frauen und Männer sind hier im Dienst, ihnen ist ausdrücklich zu danken. Entscheidend ist die Ausbildung dieser Seelsorgerinnen und Seelsorger. Das Leitungsteam hat sich hervorragend für die Qualifikation und Begleitung dieser Gruppe eingesetzt. Das muss auch so bleiben, und wir haben als Träger dafür zu sorgen, dass dafür die Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Der eingetragene Verein, also die Telefonseelsorge Mainz-Wiesbaden e.V., ermöglicht die TS zweifellos als Organisation in Kirche und Gesellschaft. Der e.V. hat aber auch sein „Eigengewicht“. Es muss ein Vorstand gewählt werden, Mitgliederversammlungen müssen stattfinden, ein Haushaltsplan muss erarbeitet werden u. v. m. Gäbe es in Zukunft eine Alternative zum e.V., die die Arbeit der TS entlastet und gleichzeitig stabilisiert? Wie könnte die aussehen?
Welchen Beitrag zur Gesundheit leistet Ihrer Meinung nach die TS in der Gesellschaft und in unserer Region?
Wenn jemand bei der TS anruft und Hilfe sucht, spielt es keine Rolle, welcher Herkunft, Religion oder politische Ansicht jemand ist. Die Telefonseelsorger und Telefonseelsorgerinnen sind rund um die Uhr (24/7) für Anrufende da. Die Anrufenden erfahren, es ist jemand da für mich, hört mir zu, hat Zeit für mich und geht auf mein Problem, meine Not ein. Vielleicht sehen sie am Ende des Gesprächs wieder einen Weg für sich, sehen, dass es doch weitergeht. Deswegen ist die TS für die Gesellschaft und in der angesprochenen Art und Weise für die Gesundheit der Menschen wichtig. Die TS ist ein Angebot der Kirchen für alle.
Wie erleben Sie die Zusammenarbeit der Kirchen?
Ökumene wird selbstverständlich gelebt – bei den Ehrenamtlichen ebenso wie bei den Hauptamtlichen. Katholische und evangelische Kiche bringen je ihre Kompetenz und ihr Know-how ein, als Träger sorgen die Kirchen auch für die Finanzierung der Telefonseelsorge. Inhalt und Organisation der TS stehen auf einem ökumenischen Konsens.
Die Arbeit im Vorstand war …
… eine große Bereicherung. Uns verband die Überzeugung, dass die Telefonseelsorge über Konfessionen hinaus einen wichtigen Dienst leistet. Im Vorstand war genau dieser Konsens, die Arbeit der TS zu ermöglichen und im besten Falle zu erleichtern. Meinen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand bin ich sehr dankbar.
Welche Dimension von Kirche-Sein finden Sie bei der TS?
Der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, hat die Kirche aufgerufen, sich nicht primär um ihre eigene Existenz sorgen („Was wird aus uns?“), sondern sich zu fragen: „Für wen sind wir da?“ Sich um die zu kümmern und zu sorgen, die in Not sind und Hilfe brauchen, ist ein genuiner Dienst der Kirchen am Nächsten.
Was haben Sie für sich selbst mitgenommen?
Ich bin oft bei der Vollversammlung der TS Mainz-Wiesbaden gewesen. Es ging dort auch um die Ehrungen der ehrenamtlichen Telefonseelsorger und -seelsorgerinnen: 5, 10, 15, 20 Jahre und mehr. Es hat mich sehr berührt und motiviert, dass Frauen und Männer mitunter Jahrzehnte für die TS arbeiten, sich hier engagieren und mit Ihrer Arbeit dafür sorgen, dass die TS ihren Dienst ausüben kann.
Was wünschen Sie der TS Mainz-Wiesbaden?
Eine Zukunft, die die Weiterarbeit ermöglicht und sichert, überzeugte und engagierte Menschen, die den Dienst am Telefon übernehmen und da sind, wenn jemand Hilfe sucht; dass die Kirchen zur Telefonseelsorge stehen und sie weiter als Teil ihres christlichen Handels verstehen, denn dieser Dienst ist ein Dienst am Nächsten. Gottes Segen dafür!
Telefonseelsorge®